wahlkrEISBÄREN ON TOUR

Salzkotten, Bahnhof. 

 

Kurz vor Sieben ist die Welt fast noch in Ordnung. Die allermeisten Schüler*innen erreichen die Züge, nur 2 trödeln. „Haben den Zug verpasst“, brummelt der eine ins Smartphone. Der ÖPNV entscheidet über Bildungserfolge. Wir brauchen in der Tat mehr Geld für Bus&Bahn. Bei der Strecke zwischen Aachen und Kassel sind 19 Brücken marode, reklamierte die Bundestagsfraktion vor wenigen Tagen. 

 

Hartmut kommt, der Eisbär ist am Start. Die Leute freuen sich sehr und reißen grüne Flyer aus seinen Pranken. Der Altersdurchschnitt steigt, damit auch die Quote der Wähler*innen. Die nächste Züge kommen im halben Stündchen. Witzigerweise begegnen sie sich: Gleis 1 nach Paderborn, Gleis 2 aus Paderborn. Marc hat einen Kaffee mitgebracht, der Sälzer SPD-Fraktionchef kommt und hält einen Schwatz. Es geht um Wahlaussichten – Wir empfehlen @ZweitstimmeGruen

 

Die Sonne kriecht über den Horizont. Gestern nacht im Sputnik empfahl jemand, wenn wir am Bahnhof wären,  den Abstecher ins Polizeimuseum, um den wahlkrEISBÄREN eine Pickelhaube aufzusetzen. Okay, wir finden eine bürgernahe Polizei gut. Aber in die Pickelhauben-Zeit wollen wir definitiv nicht zurück. Auch nicht in den Überwachungsstaat. Wir brauchen starke Bürgerrechte.

Kurzer Zwischenstopp im grünen Büro zur schnellen Zeitungslektüre.

Bad Lippspringe, Wochenmarkt am Rathaus

Das Auge des Gesetzes auf dem Marktplatz blickt streng, wenn jemand mit dem Auto Anstalten macht zu parken. Auch hat jener Radfahrer ausgesprochenes Pech, der mit Karacho aus der Fußgängerzone kommend, ihm quasi mitten in die Arme fährt. Das Vermummungsverbot ist ihm egal, so schlängen wir uns durch zum Lippolino.

Vor allem die Kinder finden den wahlkrEISBÄREN lustig. Die Älteren finden den Schutz der Umwelt ziemlich wichtig, manche bedauerten, dass Klima nicht mehr Thema gewesen ist. „Wie kann man eine Kanzler-Debatte führen, und niemand äußert sich zur Erderwärmung. Klimakanzlerin, das ich nicht lache“, meint eine Passantin.

Freundliche Gespräche allesamt, bis auf die zwei Nörgler: „Die Grünen? um Gottes Willen!“ Von Bewahrung der Schöpfung wollten die auch nicht hören. Vielleicht sehen? Dann empfehlen wir den grünen Wahlspot.

Am Stand von den Bad Lippspringer Grünen gibt es alles, bis auf Kaffee, dazu aber später mehr. Besonders lecker: die Hermann-Kekse. Die reichen dem Eisbären aber nicht aus und der Geruch zieht ihn magisch zum Fischstand vis à vis. Wenn wir keinen Quatsch machen würden, können wir ein Foto schießen. „Nöh, ich stehe mehr auf Robben“, spricht der Eisbär und verspricht sich mit Fischbrötchen zufrieden zu geben.

Die Kinder in Bad Lippspringe haben Mut, während ein großer weiß-schwarzer Dalmatiner vor Angst laut zu bellen beginnt. Hunde, die bellen, beißen nicht.

Auch verblüffend die Reaktion am Stand der Linken. Deren Kreisvorsitzender fragt allen Ernstes: „Warum lauft Ihr mit einem Eisbären rum?“ Tja, warum bloß?  Von Wagenknecht & Bartsch hörten wir nur ökologische Lippenbekenntnisse. Sollte es nicht im Interesse der Daimler-, Porsche-, Volkswagenproletarier sein, dass der Turnaround zur E-Mobilität geschafft wird, um am Ende des Zeitalters der fossilen Verbrenner wieder international konkurrenzfähig zu werden? @DarumGrün

Logo, besuchen wir auch den Stand der Unionisten. Um ihnen was Grünes mitzugeben (Achtung : nicht ‚mitbringen‘ ist gemeint) hält der Eisbär Basilikumsamen „Wer Mut säat, wird Zukunft ernten“ in den Pranken. Würzig, knackig, damit genau das richtige Triebmittel für Politikaussitzer.

Dort erzählt einer, er habe in der Nacht von „Eurem langhaarigen Vorsitzenden“ geträumt. Kurze Irritation, Cem war noch nie für eine Mähne bekannt. Gedankenblitz des Eisbären: „Etwa Toni Hofreiter?“ Genau, mit ihm habe er im Traum telefoniert. Da eröffnen sich Aussichten. Klar lassen sie sich mit dem wahlkrEISBÄREN fotografieren. Toni ist auf jeden Fall der stimmgewaltigste Kämpfer gegen die Klimakrise  Nachdenklich & nachhaltig fürs bessere Klima kämpfen, das ist es.

Schloß Holte, Kirchplatz

In glückeligen Augenblicken gleicht der Wahlkampf einer großen Kinderrei: Der WahlkrEISBÄREN nehmen zunächst ein Eis, während die Spezialisten den Kurs der Carrerabahn aufbaen. Ist gar nicht so einfach. Schließlih flitzen die beiden Autos über die Rennstrecke. Angetrieben weder mit Benzin, noch mit Diesel, sondern mittels zweier Fahrräder. E-Mobilität kann so einfach sein. Aber die Kids, die wild trampeln, lassen ihre Autos aus der Kurve fließen. Welch ein Spaß. Zwei ältere Damen hinter mir: „Schau mal, da haben die Grünen einen ins Eisbärkostüm gesteckt.“ Die andere: „Vor 80 Jahren haben wir noch auf Eisbärfellen gelegen.“

Zurück auf die Rennpiste. Zwei Tapetentische bilden die Basis, die Seitenteile erweisen sich als Fangbretter, den oft genug fliegen die Autos von der Bahn. Patricks Rennrad hat Bremsen und gibt damit einen echten Vorteil auf Rennpiste mit dem rechtzeitigen Abbremsen vor dem kurvigen Teil der Strecke. Logisch „Nur Bleifuß“ – hier wildes Trampeln – aktiviert die Fliehkräfte. Ein dezenter HInweis auf die „Vision Zero“, Seite 62, des grünen Wahlprogramms: „Das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine tödliche Gefahr, gegen die wir mehr tun müssen. Dazu fordern wir ein Tempolimit auf Autobahnen von 120.“ Blöderweise 10 km mehr als gefordert getweetert.

In Schloß Holte, schon an der Carrerabahn, zeigt sich: Mädchen fahren sicherer + souveräner. Okay es ist nicht repräsentativ, mal morgen ab halb zehn auf dem Marienplatz beobachten.

Derweil erzählt ein Vater, wie er seinen Sohn sein erstes Auto gezeigt hat. Ein Käfer mit 34 PS, jetzt steuert er einen Touran (143 PS) „Einen Benziner natürlich!“, ergänzt er, um sich dann über die krimininelle Autoindustrie aufzuregen. Und die Politik, seien doch alle von den Lobbyisten gekauft. Wieviel Bundesgeld der Verkehrsminister nach Bayern umgeleitet hätte, auch für Digitalisierung. Privatisierung der Autobahnen großer Renfall, er kommt richtig in Fahrt.

Selbst der zarte Hinweis, die Grünen hätten immer gegen Autobahnprivatisierung votiert oder die deutliche Erinnerung, dass es Britta Haßelmann gewesen ist, die couragiert kämpft, Hausausweise des Bundestages für Lobbyisten zu reglementieren oder den legislativen Fußabdruck bei Gesetzgebungsverfahren einzuführen, stoppt seinen Gedankenfluss nur sehr bedingt.

Büren, Flughafen

Heimatflughafen, mein – einige wollen PAD, so das Kürzel von Paderborn-Ahden, hochjazzen zum Internationalen Verkehrsflughafen. Just als wir ankamen, wurde gerade der Check-In für Antalya aufgerufen. Die Lautsprecherstimme drängelte sehr. „X,Y – nur noch zwei Minuten…“. Die wahlkrEISBÄREN fühlten sich mal nicht angesprochen, schließlich ging nicht Richtung Grönland, Arktis, ewiges Eis. Obwohl das mit der steigenden Erderwärumg auch nicht mehr das ist was es mal wahr.

Jedenfalls ist man in PAD zur Zeit stolz darauf, dass man weit mehr Starts & Landungen hat als Kassel-Calden, und dass in den Regionalflughafen Dortmund viel viel mehr Mio. Zuschüsse reingeschossen werden müssen zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebes. Es mangelt an einem Luftverkehrsplan, der die traurigen Existenzen der regionalen Flughafen-Flugplätze auf Deutschland-Ebene regelt. Steht noch auf der To-Do-Liste der GroKo. Fordern wir Grüne schon lange.

Unglaublicherweise entdeckten wir auf dem Rollfeld von eine Maschine von Air Berlin. Die Düsen wirbelten einigen Staub auf, aber der Flieger löste sich nicht vom Gate. Ziel unbekannt & dem Sonnenuntergang entgegen.

Von wegen: „Über den Wolken“… Heimatflughafen bekam aber noch eine andere Akzentuierung. Am Tag der schwarz-gelben Amtsübernahme in NRW schrieb der hiesige Landrat (CDU) mit Blick auf das Abschiebegefängnis Stöckerbusch: »Wir haben einen gut ausgebauten Flughafen gleich nebenan. Was liegt da näher, als ihn für Rückführungen zu benutzen«. Ein Abschiebeflughafen als Geschäftsmodell. Müller spricht im Namen der Betreibergesellschaft Flughafen Paderborn/Lippstadt. Neben Paderborn vier weitere Kreise aus Ostwestfalen-Lippe und die Stadt Bielefeld sowie der Kreis Soest und der Hochsauerlandkreis.

Abschließende Impression der wahlkrEISBÄREN-Tour: Raten wir nicht länger! Wahlziel Umwelt und Gerechtigkeit nur mit Grün. Dafür braucht’s die @ZweistimmeGruen. Besten Dank an Jan und Christian, Sprecher der Grünen Jugend Paderborn. Sie rockten die Eisbären-Kostüme. Ihnen gebührt das Schlusswort: „Change the System, not the Climate“

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld