Gleiche Rechte und gleiche Chancen? – Gedanken zum Weltkindertag

„Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geliehen“ – Diese Ableitung eines alten indianischen Sprichwortes ist zum Symbol des Weltkindertages geworden, der sinnbildlich für die Vielzahl von Aufgaben steht, damit Kinder und ihre Familien wirklich eine gute Zukunft haben.

Von 13 Mio. Kindern in Deutschland leben gut 2,5 Mio. in Armut. Besonders Alleinerziehende sind oft arm. Das ist ein trauriges Bild für unser wohlhabendes Land und stellt den politisch Verantwortlichen ein miserables Zeugnis aus. Aus meiner beruflichen Praxis sind mir die unterschiedlichsten Problemlagen und Ursachen von Kindern und deren Familien bekannt, denen es trotz größter Anstrengungen nicht gelingen will, gute Voraussetzungen zu schaffen.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl appellieren Kinderhilfswerk und UNICEF an die Parteien sich für die Rechte von Kindern stark zu machen. Mit dem diesjährigen Motto: „Kindern eine Stimme geben“ gilt der Aufruf nach einem „Mehr“ an Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder. Seit langen fordern wir Grünen, das Wahlalter zu senken. Warum hören wir Kindern und Jugendlichen nicht besser zu?

Dann wüssten wir: Kinderarmut ist ein Skandal, denn Armut schmerzt und grenzt aus. Kinderarmut ist immer Familienarmut. Die Hartz 4-Regelsätze für Kinder müssen so hoch sein, dass sie den tatsächlichen Bedarf decken – und zwar auch den für Teilhabe an Bildung, Kultur und Mobilität. Grundsätzlich ist unser Ziel, beitragsfreie Bildung von Anfang an zu ermöglichen.

Das beste Mittel gegen Kinderarmut bleibt in meinen Augen nach wie vor die Erwerbstätigkeit der Eltern. Deshalb ist es so entscheidend, dafür zu sorgen, dass Beruf und Familie vereinbar sind und dass – neben qualitätsvollen Ganztagesschulen – es überall gute Kitas gibt, in denen Erzieherinnen und Erzieher ausreichend Zeit für die Kinder, für Vor- und Nachbereitung und Elterngespräche haben.

Wenn wir nicht wesentlich konsequenter gegen Kinderarmut vorgehen, scheitert die Weitergabe unseres einzigartigen Planeten an die nachfolgenden Generationen. Schaffen wir endlich die Möglichkeiten, dass jedes Kind in unserem Land seine Talente und Stärken entfalten kann.

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